„Unbekanntes Katalonien" vom 11.April – 23.April 2026
Unbekanntes Katalonien- die Provinz Girona mit wilder Küste, mittelalterlichen Städten, Dali und Wein“ vom 11.Apri – 23.April 2026
| |
|
Unsere Reise begann am Samstagmorgen, 11. April sehr früh. Abfahrt um 7:10 Uhr mit dem Reisebus der Firma Jablonski und 37 Insassen einschließlich Manfred Jablonski als Fahrer. Wer so früh noch nicht gefrühstückt hatte, musste nicht hungern, denn es gab für jeden belegte Brötchen und Kaffee. Unser Etappenziel war Lyon in Frankreich, wo wir 2mal im Hotel übernachteten. So wurde der weite Weg nach Katalonien angenehm erträglich.
Am Abend gab es ein gemeinsames Essen in der Brasserie Georges, einem riesengroßen Lokal. Leider war die Unterhaltung im allgemeinen Lärmpegel schwierig. Die Besichtigung von Lyon mit kompetenter Führung am nächsten Tag passte dem Wettergott nicht ins Konzept. Es regnete und klamme Kälte kroch trotz Wetterkleidung und Schirm langsam unter die Haut. Gleichwohl waren die Marien-Basilika auf dem Berg und die schöne Altstadt ein Erlebnis. Jeder fand danach ein kleines Lokal zum Aufwärmen. Am Nachmittag besuchten wir das supermoderne Confluences-Museum an der Spitze der Halbinsel zwischen Rhone und Saone. Neben der architektonischen Extravaganz pflegt das Museum ein anderes Ausstellungskonzept. So finden sich neben den ausgestellten Tieren die Instrumente, welche die Erforschung der Tierwelt ermöglichten. Für 2 Mitreisende war der Tag mit dem schlechten Erlebnis eines Taschendiebstahls verbunden.
Die Weiterfahrt nach Katalonien war zügig und problemlos. Das Wetter wurde besser, die Sonne ließ sich wieder sehen und so blieb es für den Rest der Reise. Unser Hotel in S´Agaró liegt an einer Bucht der Costa Brava, der Hauptort San Feliu de Guixols an der nächsten, unterbrochen durch schroffe Steilküste. Der Wanderweg Cami de Ronda schwierig. Aber es gibt ja auch Straßen und eine Busverbindung zu diesem lebhaften Ort. S´Agaró ist ein sehr ruhiger Ort. Neben dem Hotel befindet sich ein in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts begonnenes Ferienhausgebiet, heute für den Durchschnittsmenschen nicht bezahlbar, Einlass für Autos durch eine Schrankenanlage. Besichtigung per pedes problemlos möglich. Der Cami de Ronda in der anderen Richtung sehr angenehm zu gehen. Wir übernachteten dort 8 Nächte.
Das Programm der nächsten Tage umfasste zunächst die Erkundung der näheren Umgebung, San Feliu und Tossa de Mar über die kurvige aber sehr gut befahrbare Küstenstraße, sehr beliebt bei Fahrrad- und Motorradfahrern.
Girona ist die größte und wohl auch schönste Stadt der Region. Wir hatten eine 3stündige Führung, lernten viel über deren Geschichte und besichtigten die Kathedrale und die sogenannten Arabischen Bäder. Girona hatte bis zum Ende des 15. Jahrhunderts ca. 10 % jüdische Bevölkerung. Die Juden mussten im Jahr 1492 entweder zum christlichen Glauben übertreten oder das Land verlassen. Und weil die Kirche glaubte, dass die Neuchristen den alten Glauben in Wirklichkeit nicht aufgegeben hatten, wurde die Inquisition eingerichtet. Auf dem Rückweg ging es dann mit einer römischen Badeanlage in Caldes de Malavella noch weiter zurück in der Geschichte.
Im Hinterland der Costa Brava gibt es viele Städtchen, die vom Mittelalter bis zur Neuzeit erfolgreiche Zentren von Handel, Handwerk und Landesverteidigung waren. Sie verloren irgendwann den Anschluss an die Entwicklungen der Neuzeit, wurden „vergessen“. Es gab keinen Grund, in die Stadt zu investieren und im Zweifel auch kein Geld, die alten Gebäuden abzureißen. Mit dem Tourismus wurden sie neu entdeckt. Man verdiente an der Stadt, eröffnete Restaurants, Geschäfte, Ateliers und was auch immer von Touristen geschätzt wird. Wir widmeten diesen Städten zwei Tagestouren, eine in das Pyrenäen-Vorland mit zum Teil herrlichem Blick auf das schneebedeckte Gebirge. Jede dieser Städte hatte eine Besonderheit, z,B. die abgeknickte Brücke in Besalú und der Granitsporn, auf dem Castelfollit liegt, rechts und links senkrechter Abgrund. In den küstennahen Städten konnte man die Entwicklung touristischer Strukturen beobachten. Im kleinen Monells gibt es nur ein Bar-Restaurant, ansonsten deutet nichts auf dauernde Bewohner. In Peretallada gibt es Restaurants, aber viele öffnen erst im Juni, in Pals fanden wir alle etwas zu essen. Begur nahe der Küste war schon im 19. Jahrhundert ein Platz, an dem in den Kolonien reich gewordene Rückkehrer stattliche Häuser bauen ließen. Gleichwohl verfiel der Bergfried, von dem man eine herrliche Aussicht auf die Küste hat.
Einen Tag widmeten wir dem Künstler Salvador Dali. Er versprach seiner Muse Gala ein Schloss, was er dann 30 Jahre später einlöste. Es war dann aber Vieles zu ändern, verbessern und zu schmücken. Dali trug selber mit Bildern und allerlei Ideen bei. Er selber wohnte nur vorübergehend dort, er hatte ja noch 2 Wohnsitze in Figueres und Cadaqués (was wir nicht besuchten). Im Garten des Schlösschens stehen Elefanten, selbstgemacht. Manfred nutzte unsere Zeit der Besichtigung dazu, ein Käse/Schinken-Büffet aufzubauen. Anlass war der 60. Jahrestag der Gründung des Unternehmens durch seine Eltern (mit einem VW-Bus). Dazu gab es natürlich auch Cava (Sekt). Das Dali-Museum in Figueres war leider überfüllt, trotz zwingender Einlasszeitenregelung. Trotzdem bleibt eine Fülle teils irritierender Eindrücke.
Zu berichten ist auch über ein Kork-Museum, das die Bedeutung der Korkeiche für die Umwelt und -früher- die Wirtschaft hatte. Sehr gute Präsentation in Katalanisch, Spanisch, Französisch und Englisch. Wir besuchten auch den Botanischen Garten von Cap Roig, einen hängenden Garten über dem Meer. Die Leute auf den Booten vor Anker waren sich nicht bewusst, dass sie von oben beobachtet werden konnten. Abgeschlossen wurde dieser Tag durch eine Weinprobe, bei der wir u.a. lernten, warum in vielen Weinfeldern Spaniens auf Drahtzäune verzichtet wird.
Die Rückfahrt nach Hause erfolgte wie die Anfahrt im Doppelsprung: 2 Übernachtungen in Beaune, vormittags Besichtigung der Stadt und insbesondere des Hotel de Dieu, eines Krankenhauses aus dem Mittelalter, heute Museum. Große und hohe Säle, längsseits mit Betten, an der Frontseite ein Altarraum für die mehrfachen täglichen Gottesdienste. Mangels guter medizinischer Kenntnisse eher für das Seelenheil geeignet. Aber kostenlose Behandlung war damals ein gewaltiger Fortschritt. Das Hotel de Dieu existiert noch heute als juristische Person, betreibt mehrere Krankenhäuser und leistet auch kostenlose Behandlungen. In der Kathedrale lernten wir, dass in Frankreich die Verwendung von Spitzbögen nicht gotischer Stil bedeuten muss. Die Baumeister des Klosters von Cluny entdeckten schon lange vor der Gotik die Vorteile des Spitzbogens.
Die letzte Etappe der Heimfahrt lief ebenfalls zügig, abgesehen von einer kleinen Wartezeit an der deutschen Grenze. Der Beamte fragte uns, wie viele wir sind und woher wir kommen, das war´s. Manfred überraschte uns bei einer Pause mit Flankuchen zum Kaffee.
Eine schöne, rundum gelungene Reise.
Foto: K.-H. SEidel, Text: Werner Schick